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Die St.-Laurentius-Kirche Abbehausen soll eine Fluchttür bekommen - der Oberkirchenrat lässt sich Zeit mit der Entscheidung.
Abbehausen -
Es war einmal ein kleines Dörfchen im Herzen Butjadingens, das eine stattliche Kirche sein Eigen nennen konnte. Und es gab einen Antrag, dass diese Kirche eine Fluchttür bekommen soll. Aber dank unsäglicher Verschleppungstaktik, bürokratischem Starrsinn - oder reiner Unfähigkeit? - wartet die Gemeinde, wenn ihr bis dahin kein Unglück geschehen ist, bis heute auf eine Genehmigung ihres Antrags - und wartet bis heute auf die Fluchttür.
Die Geschichte um die - künftige - Fluchttür in der Abbehauser Kirche ist leider kein schönes Märchen, sondern mittlerweile ein böses Drama geworden: Der Gemeindekirchenrat von Abbehausen bemüht sich seit 2002 um die Erlaubnis, im Chorraum der Kirche eine Fluchttür installieren zu dürfen. Entscheidungsträger ist der Oldenburger Oberkirchenrat, der sich auch mit der Denkmalpflege abstimmen muss. Durch unzählige fadenscheinige Ausreden, dem Ignorieren von Briefen und unfruchtbaren Ortsbegehungen wurde das Anliegen der Gemeinde immer wieder hinausgezögert. Mittlerweile hat der Gemeindekirchenrat dem Oberkirchenrat mitgeteilt, dass er die Haftung für die Sicherheit in der Kirche nicht mehr trägt und an die höhere Behörde in Oldenburg abgibt.
Der Gottesdienst ist die zentrale wöchentliche Feier der Gemeinde. Hier treffen Menschen aus der ganzen Gemeinde zusammen, um gemeinsam ihren Glauben zu feiern. Auch für Touristen oder spirituell Suchende ist die Kirche ein Anziehungspunkt. Und nicht zuletzt ist sie auch Kulturraum für Konzerte, wie sie nur in Sakralbauten möglich sind, weil es in der hiesigen Region keine Alternativgebäude mit entsprechender akustischer Bauweise gibt. Zu vielen Gelegenheiten ist die Kirche darum rappelvoll - nicht nur an Weihnachten! Und das ist natürlich erfreulich. Unerfreulich hingegen sind alle Szenarien, wenn die einzige Tür im Glockenturm einmal versperrt sein sollte. Andere Fluchtwege - etwa durch die meterhohen Bleiglasfenster - sind kaum vorstellbar, denn diese Fenster sind mit Stahlkonstruktionen durchzogen. Die Evakuierung der Kirche würde nicht möglich sein.
Darum hat auch der Brandschutzbeauftragte des Landkreises Wesermarsch angemahnt, die Kirche solle eine Fluchttür erhalten. Dem Wunsch möchte sich der Gemeindekirchenrat anschließen - vor allem aber Baudezernent Knöfel aus dem Oberkirchenrat verweigert sich stur und unerklärlich dem Anliegen.
Natürlich begreift der Gemeindekirchenrat den Denkmalschutz als ein besonderes Anliegen. Das Gebäude als ganzes und viele seiner Bestandteile und das Inventar sind als Kostbarkeiten zu sehen. Aber: Die Kirche muss vor allem dem Menschen dienen, als Raum für Gottesdienst und Begegnung. Der Mensch dient nicht dem Bau als Füllmasse, nicht das Gebäude ist das wichtige, allein der Glaube zählt.
Und so muss die Kirche auch flexibel sein - sowohl das Gebäude sich veränderbar zeigen, als auch die Organisation die Zeichen der Zeit erkennen und Wandel zulassen. Martin Luther lehnte die hierarchische Struktur der Kirche ab; Basis der neuen Kirche ist die Gemeinde - das scheint der Oberkirchenrat in Oldenburg bisweilen zu vergessen. Oder fürchtet er sich gar? Am 31. Oktober jährt sich der Reformationstag, an dem Luther der Legende nach seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg nagelte, zum 492. Mal. Vielleicht sollten mutige Christen wieder einmal Thesen verfassen und an die Türen des Oberkirchenrates anschlagen, gegen Verkrustung in der Wasserkopfverwaltung in Oldenburg.
Neuster Akt im Drama: Baudezernent Knöfel hat Pläne vorgelegt, die Fluchttür an der Südseite der Kirche einzurichten (eine Variante, die er früher strickt ablehnte!). Hier befand sich früher die Priesterpforte. Diese Variante ist für Abbehausen aber untragbar: Die Gemeinde müsste nicht nur die Pforte bezahlen, sondern auch den Abriss der Kanzel und einen Kanzelneubau. Außerdem führt die Tür dann auf den Friedhof hinaus, und von dort führt nur der schmale Pfad zum Küsterhaus hinunter. Möglicherweise müsste auch eine Stufe überwunden werden - der Plan ignoriert, dass viele Menschen mit Rollatoren oder Rollstühlen den Gottesdienst oder Kulturveranstaltungen besuchen.
Auf der Seite zur St.-Laurentius-Straße hingegen bestehen ausreichend Fluchtwege in Richtung Pfarrhaus oder über den Hauptaufgang des Friedhofs. Und die Kanzel könnte auch erhalten werden. Zudem könnte die Tür so breit eingerichtet werden, dass auch der Sargwagen bei Beerdigungen hier durch diese Tür geführt werden und die Gemeinde sich dem Trauerzug anschließen könnte - wie es in vielen anderen Gemeinden praktiziert wird.
Die Geschichte von der Fluchttür hat also noch kein glückliches Ende gefunden. Die Kirchengemeinde wird weiter kämpfen und erhält jetzt Rückendeckung durch den Nordenhamer Architekten Henning Wessels, der Entwürfe zur Einrichtung der Fluchttür an der Nordseite anfertigt. Diese Pläne sind auch notwendig zum Einwerben von Fördermitteln. Wessels war auch maßgeblich an der Sanierung der Kirche vor einigen Jahren beteiligt. Und der Oberkirchenrat braucht vielleicht einen Denkzettel, wie einst Luther ihn auch angeheftet hat. Protestaktionen und Demonstrationen gegen die Willkürherrschaft aus Oldenburg sind an der Abbehauser Kirchenbasis jedenfalls nicht mehr ausgeschlossen.
Die Geschichte um die - künftige - Fluchttür in der Abbehauser Kirche ist leider kein schönes Märchen, sondern mittlerweile ein böses Drama geworden: Der Gemeindekirchenrat von Abbehausen bemüht sich seit 2002 um die Erlaubnis, im Chorraum der Kirche eine Fluchttür installieren zu dürfen. Entscheidungsträger ist der Oldenburger Oberkirchenrat, der sich auch mit der Denkmalpflege abstimmen muss. Durch unzählige fadenscheinige Ausreden, dem Ignorieren von Briefen und unfruchtbaren Ortsbegehungen wurde das Anliegen der Gemeinde immer wieder hinausgezögert. Mittlerweile hat der Gemeindekirchenrat dem Oberkirchenrat mitgeteilt, dass er die Haftung für die Sicherheit in der Kirche nicht mehr trägt und an die höhere Behörde in Oldenburg abgibt.
Der Gottesdienst ist die zentrale wöchentliche Feier der Gemeinde. Hier treffen Menschen aus der ganzen Gemeinde zusammen, um gemeinsam ihren Glauben zu feiern. Auch für Touristen oder spirituell Suchende ist die Kirche ein Anziehungspunkt. Und nicht zuletzt ist sie auch Kulturraum für Konzerte, wie sie nur in Sakralbauten möglich sind, weil es in der hiesigen Region keine Alternativgebäude mit entsprechender akustischer Bauweise gibt. Zu vielen Gelegenheiten ist die Kirche darum rappelvoll - nicht nur an Weihnachten! Und das ist natürlich erfreulich. Unerfreulich hingegen sind alle Szenarien, wenn die einzige Tür im Glockenturm einmal versperrt sein sollte. Andere Fluchtwege - etwa durch die meterhohen Bleiglasfenster - sind kaum vorstellbar, denn diese Fenster sind mit Stahlkonstruktionen durchzogen. Die Evakuierung der Kirche würde nicht möglich sein.
Darum hat auch der Brandschutzbeauftragte des Landkreises Wesermarsch angemahnt, die Kirche solle eine Fluchttür erhalten. Dem Wunsch möchte sich der Gemeindekirchenrat anschließen - vor allem aber Baudezernent Knöfel aus dem Oberkirchenrat verweigert sich stur und unerklärlich dem Anliegen.
Natürlich begreift der Gemeindekirchenrat den Denkmalschutz als ein besonderes Anliegen. Das Gebäude als ganzes und viele seiner Bestandteile und das Inventar sind als Kostbarkeiten zu sehen. Aber: Die Kirche muss vor allem dem Menschen dienen, als Raum für Gottesdienst und Begegnung. Der Mensch dient nicht dem Bau als Füllmasse, nicht das Gebäude ist das wichtige, allein der Glaube zählt.
Und so muss die Kirche auch flexibel sein - sowohl das Gebäude sich veränderbar zeigen, als auch die Organisation die Zeichen der Zeit erkennen und Wandel zulassen. Martin Luther lehnte die hierarchische Struktur der Kirche ab; Basis der neuen Kirche ist die Gemeinde - das scheint der Oberkirchenrat in Oldenburg bisweilen zu vergessen. Oder fürchtet er sich gar? Am 31. Oktober jährt sich der Reformationstag, an dem Luther der Legende nach seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg nagelte, zum 492. Mal. Vielleicht sollten mutige Christen wieder einmal Thesen verfassen und an die Türen des Oberkirchenrates anschlagen, gegen Verkrustung in der Wasserkopfverwaltung in Oldenburg.
Neuster Akt im Drama: Baudezernent Knöfel hat Pläne vorgelegt, die Fluchttür an der Südseite der Kirche einzurichten (eine Variante, die er früher strickt ablehnte!). Hier befand sich früher die Priesterpforte. Diese Variante ist für Abbehausen aber untragbar: Die Gemeinde müsste nicht nur die Pforte bezahlen, sondern auch den Abriss der Kanzel und einen Kanzelneubau. Außerdem führt die Tür dann auf den Friedhof hinaus, und von dort führt nur der schmale Pfad zum Küsterhaus hinunter. Möglicherweise müsste auch eine Stufe überwunden werden - der Plan ignoriert, dass viele Menschen mit Rollatoren oder Rollstühlen den Gottesdienst oder Kulturveranstaltungen besuchen.
Auf der Seite zur St.-Laurentius-Straße hingegen bestehen ausreichend Fluchtwege in Richtung Pfarrhaus oder über den Hauptaufgang des Friedhofs. Und die Kanzel könnte auch erhalten werden. Zudem könnte die Tür so breit eingerichtet werden, dass auch der Sargwagen bei Beerdigungen hier durch diese Tür geführt werden und die Gemeinde sich dem Trauerzug anschließen könnte - wie es in vielen anderen Gemeinden praktiziert wird.
Die Geschichte von der Fluchttür hat also noch kein glückliches Ende gefunden. Die Kirchengemeinde wird weiter kämpfen und erhält jetzt Rückendeckung durch den Nordenhamer Architekten Henning Wessels, der Entwürfe zur Einrichtung der Fluchttür an der Nordseite anfertigt. Diese Pläne sind auch notwendig zum Einwerben von Fördermitteln. Wessels war auch maßgeblich an der Sanierung der Kirche vor einigen Jahren beteiligt. Und der Oberkirchenrat braucht vielleicht einen Denkzettel, wie einst Luther ihn auch angeheftet hat. Protestaktionen und Demonstrationen gegen die Willkürherrschaft aus Oldenburg sind an der Abbehauser Kirchenbasis jedenfalls nicht mehr ausgeschlossen.
Kommentar 4/4
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BetreffNot ausgangDatum3.5.2010, 11:32 UhrAutorwolfgang boschTextSO viel zu diesem leidigen Thema:
Bei uns im Raum Konstanz kenne ich nur Kapellen die einen Ein und Ausgang haben.Alle anderen Kichen ,egal ob 1400 oder 30 Jahre alt haben 3 oder mehr Ausgänge.Ich kenne die Kirche in Abbehausen und ich denke das ein Notausgang wirklich nottut,aber muß den wirklich immer erst ein Unglück geschehen bevor etwas getan wird.?Oder haben die Herren Angst das welche sich am Klingelbeutel vorbeimogeln könnten?
Mit freundlichen Grüßen
vom Bodensee
Wolfgang Bosch
Kommentar 3/4
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BetreffDase-ZeichnungDatum7.10.2009, 12:07 UhrAutorTorsten LangeTextNoch ein Hinweis:In der NWZ gab es kürzlich eine Karikatur zur Fluchttür...
Einfach auf www.nwzonline.de unter SUCHE den Begriff Dase eingeben, dann zeigt das Angebot auch die Karikatur.(Den Link kann ich hier irgendwie nicht einfügen...)
Kommentar 2/4
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BetreffWas soll man dazu sagen?Datum6.10.2009, 17:24 UhrAutorTorsten LangeTextDer Kommentar "dauernde Ausfall des gesunden Menschenverstandes" gefällt mir sehr gut!Der Brandschutzbeauftragte kann die Kirche übrigens nur für kulturelle, nicht-religiöse Veranstaltungen schließen. Ansonsten verfügt die Kirche (gemeint: die Organisation) über einen rechtlichen Sonderstatus, dass gottesdienstliche Feiern und andere sakrale Veranstaltungen nicht dem allgemeinen Brandschutz unterliegen... Sprich: Bei jeder öffentlichen Zeltparty mit mehreren Hundert Gästen muss die Feuerwehr dabei sein oder eine Brandwache gestellt werden, beim Gottesdienst in der Kirche (gemeint: Gebäude) nicht.Aber wir wollen ja weiterhin Konzerte in unserer Kirche hören oder andere Veranstaltungen feiern. Der Verzicht wäre ja keine wirkliche Lösung des Problems.
Kommentar 1/4
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BetreffWas soll man dazu sagen?Datum4.10.2009, 15:01 UhrAutorSilvia KerneyTextKonfuzius ist dazu etwas eingefallen:
"Kein Amt zu haben ist nicht schlimm. Aber schlimm ist es, keine Fähigkeiten für ein Amt zu haben, das man innehat."
Behörden, Amtsinhaber, Verantwortliche der verschiedensten Bereiche - ihnen allen ist der zeitweise und oft dauernde Ausfall des gesunden Menschenverstandes ein gemeinsamer Nenner.
Liegt es an deren Entfernung zum echten Alltag, daran, dass Entscheidungsträger oft so nah an der Lebensrealität sind wie der Brunnenfrosch dem Ozean?
Ich weiss es nicht...
Vielleicht muss der Brandschutzbeauftragte die Kirche erst aus Sicherheitsgründen schließen, damit etwas passiert.
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