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Mi 24.6.2009 12.05 Uhr | Silvia Kerney | Alle Artikel

Baumschutzsatzung, Teil II


Gemeinwesen | Lokalpolitik

Und glauben Sie nicht, ich wüßte nicht, wieviel Arbeit das Laub im Herbst macht... - Silvia Kerney
Und glauben Sie nicht, ich wüßte nicht, wieviel Arbeit das Laub im Herbst macht...
Nordenham - Zitat: "In keiner Stadt oder Gemeinde in unserem Umfeld gibt es eine Baumschutzsatzung. Also gibt es auch keine Schwierigkeiten."
Nun - dieser Satz ist schon denkwürdig...
Bedeutet er doch nichts anderes als: Wenn es für etwas keine gesetzliche Regelung gibt, ist die Welt noch in Ordnung.
Das ist sicher ein netter Gedanke, wenn nicht der Mensch nun mal wäre, wie der Mensch nun mal ist.
Es ist doch naiv zu glauben, dass jeder mit Bedacht und Umsicht sein Umfeld gestaltet - oft ist reine Bequemlichkeit erste Priorität; davon zeugen zunehmend mehr betonierte und gepflasterte Vor"gärten".
Und wenn ein alter Baum erst mal gefällt ist, ist eine (meist winzige) Neupflanzung kein wirklicher Ersatz. Es dauert Generationen, bis so ein Baum wieder eine stattliche Größe erreicht.
Grün und insbesondere Bäume nehmen im verdichteten Siedlungsraum eine wichtige Funktion ein.
Bei der Photosynthese verzehren die Bäume Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre und scheiden dabei ca. die gleiche Menge Sauerstoff aus. (Im Durchschnitt kann ein Baum 6 kg CO2 pro Tag aufnehmen. Dabei gibt er 4,4 kg Sauerstoff ab und trägt dadurch zur Luftverbesserung bei.)
Verdunstung über Blatt und Rinde erhöhen den Wasserdampfgehalt der Umgebungsluft, führen zur Luftzirkulation (Luftaustausch) und kühlen sie ab. Unangenehm empfunden trockene Stadtluft wird damit angenehm angefeuchtet, vergleichbar mit einem Raumbefeuchter.
Durch ihre große wirksame spezifische Blattoberfläche filtern belaubte Bäume Schwebteilchen, insbesondere Feinstaub, aus der Luft und wirken so als höchst effiziente Staubfilter. (Filterleistung der Belaubung pro Baum (Staub etc.): bis 7.000 kg/Jahr)
In gleichem Maße kann die hohe spezifische Blattoberfläche die in der Luft enthaltenen gasförmigen Schadstoffe, wie Stickoxide und Schwefel entziehen und so reinigen.
Bäume lenken und bremsen Wind. Dadurch werden "Kanalwirkung und Schluchtcharakter" einer Straße gemildert und meist behoben (Erkenntnisse aus Windkanalversuchen). Neben der Steigerung der Qualität des Wohnumfeldes werden Gebäudeschäden gemindert oder abgewendet.
Nach eingehenden Untersuchungen wird Verkehrslärm sehr viel mehr visuell als akustisch von den Anwohnern registriert, so dass Bäumen damit eine wesentliche Bedeutung als Sichtschutzpflanzung zukommt.
Bäume in der Stadt sind vielfältiger Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger.
Solche polemischen Sätze wie - Zitat - "Demnächst müssen wir noch die Stadtverwaltung fragen, ob und wann wir den Rasen mähen dürfen" haben hier eindeutig nichts zu suchen.
Nordenham schmückt sich doch gern mit dem Slogan der "Grünen Stadt am Meer" - mal sehen, wie lange sie das noch kann.
Es wäre sicher interessant zu wissen, wieviele Lebensraum bietende Bäume seit dem Wegfall der Baumschutzsatzung Axt und Säge zum Opfer gefallen sind.
Übrigens auch beim Leserbriefschreiber ?

Schlagworte: Baumschutzsatzung

Geschrieben auf: mein-nordenham.de



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